Deutsch frau sucht mann

Posted by / 06-Jun-2017 02:53

Dieses soll gegenüber dem für dasselbe Jahr zu erwartenden 30. keinesfalls an Glanz und Ausstrahlung zurückstehen. Ulrichs ohnehin distanziertes Interesse an diesem von Musil ironisch ausgemalten und mit einer Vielzahl gesellschaftsanalytischer Essays angereicherten Vorhaben erlischt nahezu, als er anlässlich der Beerdigung des Vaters seiner verheirateten Schwester Agathe wiederbegegnet.

Zwischen den Geschwistern entwickelt sich ein inzestuös getöntes Verhältnis, das auf die Suche nach einem anderen Zustand von „tagheller Mystik“ gerichtet ist. Im unmittelbaren Vorfeld des von vielseitiger anfänglicher Begeisterung getragenen Ersten Weltkriegs, auf den der Autor bei der Niederschrift des Romans bereits zurückblickt, entfaltet Musil seinen weitgespannten, zwischen gegebener Wirklichkeit und vorstellbaren Möglichkeiten hin und her pendelnden Reflexionshorizont.

Während des bis zu Musils Tod sich hinziehenden Fortschreibungsprozesses an dem Roman ergaben sich vielfältige neue Entwicklungen und Umbrüche, darunter Weltwirtschaftskrise und Faschismus, die – bezogen auf 1913, das Jahr der Romanhandlung – teils anachronistisch in Musils Reflexions- und Darstellungsrahmen einflossen.

„Die Arbeit an dem Roman wurde dadurch nicht erleichtert.

Musil selbst sah im Rückblick „eine Folge von Stufen, die von verschiedenen Treppen herrührten und zu einer neuen Gestalt verarbeitet werden mußten.“ als auch die Namen des Roman-Helden, der ursprünglich Achilles und dann Anders geheißen hatte, bevor er zu Ulrich wurde.

Nimmt man die autobiographischen Motive hinzu, liegen die Entstehungsgründe für das Werk noch weit vor den 1920er Jahren.

„Das Nicht-stehen-lassen-Können, das bis zu zwanzigfache Umschreiben einzelner Kapitel, ohne Rücksicht auf seine immer prekärer werdende finanzielle Situation, führte dabei letztlich erst zu der sprachlichen und gedanklichen Komplexität des Romans.“ Der zeitgeschichtliche Brennpunkt von Musils Romanprojekt war die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, den er zu Anfang ebenso euphorisch begrüßte wie andere Intellektuelle und Teilhaber der künstlerischen Avantgarde auch.

Seinen Beitrag „Europäertum, Krieg und Deutschtum“ in der Literaturzeitschrift Die Neue Rundschau, deren Redaktion er nach der Kündigung der Bibliothekarsstelle beigetreten war, nennt Oliver Pfohlmann eine ästhetische Bankrotterklärung.

„Kakanien“ nennt Musil im Roman die in überkommenen Strukturen erstarrte, spannungsgeladene und dem Untergang geschäftig entgegentaumelnde k. Anklänge und Bezüge zum eigenen Leben, zeitgenössische Medienmeldungen und -berichte sowie Beobachtungen in Gesellschaft, Politik und Kultur waren die wesentlichen Rohstoffe, aus denen Musil sein Hauptwerk formte.

Im Februar 1914 kündigte Musil seine Stellung, um sich fortan als freier Schriftsteller zu betätigen und sein Auskommen zu suchen.

Im Roman entwirft er bezüglich der Bibliothekarsqualifikation ein ironisches Bild, wonach die Kenntnis der in der eigenen Regie befindlichen Bücher gerade darauf beruhe, keines gründlich zu lesen.

In Kapitel 100 „General Stumm dringt in die Staatsbibliothek ein und sammelt Erfahrungen über Bibliothekare, Bibliotheksdiener und geistige Ordnung“ schreibt Musil: „Es ist das Geheimnis aller guten Bibliothekare, daß sie von der ihnen anvertrauten Literatur niemals mehr als die Büchertitel und das Inhaltsverzeichnis lesen.“ Wer sich auf den Inhalt einlasse, sei als Bibliothekar verloren, erfährt der General von dem Doktor und Privatdozenten für Bibliothekswesen, der ihn führt.

Musils Hauptwerk hat sich als Reaktion des Schriftstellers auf die durch den Ersten Weltkrieg bewirkten Umwälzungen aus diversen Anläufen und Vorstufen entwickelt.

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Der Vater anerkennt darin zunächst löbliche Ansätze und Leistungen des Sohnes, die ihm von anderen zugetragen würden, beklagt in der Folge aber dessen Ziellosigkeit: „Aber einerseits Dein, allerdings nicht von mir, ererbter Hang, zwar, wenn Dich eine Aufgabe lockt, die ersten Schritte stürmisch zurückzulegen, dann aber gleichsam ganz zu vergessen, was Du Dir und denen schuldest, die ihre Hoffnungen auf Dich gesetzt haben, andererseits der Umstand, daß ich Deinen Nachrichten auch nicht das geringste Zeichen zu entnehmen vermag, das auf einen Plan für Dein weiteres Verhalten schließen ließe, erfüllen mich mit schwerer Sorge.“ Über Musils Ausbildung für den Bibliotheksdienst und seine Anstellung als Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Wien vom April 1911 bis zum Februar 1914 freuten sich die Eltern; für Robert handelte es sich aber um keine auf Dauer erfüllende Beschäftigung.